Anfang letzter Woche fand im Kulturzentrum in Rathenow die Herbsttagung des Museumsverbands des Landes Brandenburg e. V. statt. Thema der Tagung war „DDR-Geschichte im Museum – neue Fragen, neue Ansätze“. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mir diese beiden Tage frei machen konnte, um nicht nur einer Leidenschaft (die sich aus der Freude an Kunst und Geschichte und eben auch aus deren Vermittlung speist) zu frönen, sondern auch meinen Horizont auf einem Gebiet zu erweitern, dass nicht mein Fachgebiet ist – denn ich habe noch nie in einem direkt musealen Kontext gewirkt und DDR-Geschichte ist auch nicht gerade ein Steckenpferd meinerseits. Viele sehr unterschiedliche Institutionen und Projekte hatten im Rahmen der Tagung Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen und so habe ich vor allem eines mitgenommen: Vorfreude darauf, bald wieder einmal ein Museum zu besuchen – gern auch eines, dass ich noch gar nicht kenne und das mich vielleicht aus meiner persönlichen Wohlfühlzone holt!
Einige der aufgeworfenen Themen hatten durchaus Potenzial zur kontroversen Betrachtung und haben nachdenklich gestimmt. Die schwierige Situation der Museen in Polen kam zur Sprache, denn natürlich bewegen sich Museen als Bildungsträger und Wissensvermittler immer auch in Beziehung zu den Staaten in welchen sie sich befinden, sind abhängig von deren Werten und Denkmustern. Können und sollen Museen neutral sein, unabhängig von den Ideologien in ihrer Umgebung, aber auch von den persönlichen Werten ihrer Kuratoren, wurde mehrmals gefragt. Wie umgehen mit Werten und Wertungen?
Ein anderes spannendes Thema war die nach wie vor große Verflechtung der jüngeren Geschichte (DDR-Geschichte) mit den aktuellen politischen und persönlichen Lebenswelten, in welchen wir uns bewegen. Die Zeit bis 1990 ist eben noch lange nicht aufgearbeitet – viele wissen dies sehr gut aus ihrem persönlichen Leben – und auch Museen müssen damit besonders umgehen. Sie merken dies nicht zuletzt an den Reaktionen ihrer Besucher, die wohl oft genug so kontrovers sind, wie sonst kaum bei einem historischen Thema.
Was machen wir daraus? Weiter fragen, weiter schauen, diskutieren. Museen sind auch Verhandlungsräume, Ideen- und Gedankenschmieden, in denen Deutungshoheiten und Werte infrage gestellt werden können, besprochen und erarbeitet werden müssen. Immer wieder.
Es sollte nur niemand glauben, am Eingang eines Museums könne man getrost seinen kritischen Kopf abgeben und bekäme reine Wahrheit serviert. Dann fängt es an, Spaß zu machen!
Ich bin dann mal Museum.

Ab ins Museum!
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