In dieser Woche war es manchmal fast schon sommerlich warm in Berlin und Brandenburg. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandeburg hat das zum Anlass genommen, auf Twitter ein Bild von einem blumig-bunten Meißner Porzellan-Service Friedrichs II. zu posten.

Das Objekt vereint in sich die Begriffe vegetabiles Leben (Dekor) und Speisung (Funktion). Zwei Begriffe, die sich mühelos in die Thematik des Obst- und Gemüseanbaus überführen lassen, welcher stets eine wichtige Rolle in den Gartenanlagen Friedrichs II. gespielt hat. Über die frühen Versuche des (damals noch) Kronprinzen Friedrich II. auf diesem Gebiet und deren Bedeutung in Bezug auf seinen Charakter habe ich einmal für einen Hausarbeit recherchiert. Es ist aus dieser Arbeit außerdem ein Artikel hervorgegangen, welcher sich damit befasst, inwiefern die Gärten Friedrichs II: als arkadische Räume verstanden werden können. Dieser Artikel ist im Folgenden nachzulesen. Ich fand es ein nachhaltig spannendes Beschäftigungsfeld, welches vielleicht auch die ein oder andere Inspiration für die nun beginnende Gartensaison bereithält?!

 

 

Persönliches Arkadien – Freiheit im selbstgeschaffenen Gartenraum im Spiegel der Briefe des Kronprinzen Friedrich II.

von Nina A. Schuchardt

 

Gärten und Parkanlagen gehören wie Schlossbauten zu den üblichen Formen fürstlicher Selbstpräsentation. Auch Friedrich II. nutzte sie als Medien zur Darstellung seines fürstlichen Selbstverständnisses, seiner Ambitionen und seiner Potenz. Es ist allerdings besonders, wie intensiv Friedrich II. in Details der Gestaltungen eingriff und im Zweifelsfall persönliche Vorstellungen entgegen gestalterischer Konventionen durchsetzte. Das Schloss Sanssouci in Potsdam etwa, sollte nach den Plänen des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorffs mittels eines Sockels erhöht werden, um es auch vom Park aus, quasi als Zentrum und Bekrönung desselben, gut sichtbar zu gestalten. Friedrich II. lehnte diese Pläne zugunsten eines unmittelbaren Zugangs zum Garten ab. (Rohde 2012: 49) Er stellte also die Repräsentationsfunktion des Schlossbaus, der privaten Erlebbarkeit des Gartens nach.

Das für jedermann sichtbarste und bis heute prominenteste Beispiel der Leidenschaft Friedrichs II. für die Gartenkunst und besonders die Einbeziehung von Nutzpflanzen in die Gartengestaltung ist der Weinberg, auf welchem das Schloss Sanssouci steht. Diese Anlage ist so ungewöhnlich, dass sie als eindeutiger Ausdruck Friedrichs II. Persönlichkeit verstanden wird. (Schurig 2012: 56) Ein während des ersten Schlesischen Krieges geschriebener Brief an Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ist ebenfalls bezeichnend. Darin verlangt Friedrich II. man solle ihm schreiben wie es um Charlottenburg, sein Opernhaus und seine Gärten stünde, diese seien „meine Puppen, mit denen ich spiele“. (Dorgerloh 2011: 6)

Seine ersten eigenen Gärten gestaltete Friedrich II. in den Jahren 1732 bis 1740 noch während seiner Kronprinzenzeit in Neuruppin und Rheinsberg. Diese frühen Gärten sind besonders interessant zu betrachten, da sie freier gestaltet werden konnten, als die späteren Anlagen des Königs Friedrich II.. Sie mussten noch keiner Herrschaftsrepräsentation genügen und waren schon wegen ihrer Lage – fernab vom Regierungssitz in Berlin – weniger sichtbar. Nichtsdestotrotz entwickelte und erprobte Friedrich II. in ihnen viele Formen und Programme, die sich später besonders im Park Sanssouci in Potsdam wiederfinden. Zu ihnen gehören zum Beispiel Verweise auf antike Vorbilder die der Darstellung des eigenen Selbstverständnisses dienen oder die Integration von fruchtbringenden Nutzpflanzen in alle Bereiche der Gärten.

Dieser Betrachtung der Gärten Friedrichs II. in Neuruppin und Rheinsberg liegen insbesondere seine Beschreibungen derselben in Briefen zu Grunde. Der wichtigste Grund hierfür ist, dass der von Friedrich II. angelegte Amalthea-Garten in Neuruppin und der Schlosspark in Rheinsberg heute zwar noch als Gartenanlagen Bestand haben, aber von nachfolgenden Besitzern und Generationen stark umgestaltet wurden. Auch sollte auf diese Weise versucht werden, jene Aspekte der Gärten in den Vordergrund zu bringen, welche den Auftraggeber und Besitzer Friedrich II. besonders interessierten. Zuletzt kann anhand der Briefe auch ein Blick darauf geworfen werden, welche Rezipienten durch die Programme und Gestaltungen in den Gärten angesprochen werden sollten. So berichtet Friedrich II. in seinen Briefen an Friedrich Wilhelm I. vordringlich von seinen Pflanzungen verschiedener Nutzpflanzen und bringt so einen Wirtschaftlichkeitsgedanken in den Vordergrund: „Anitzo mache ich Anstalt, gute Obstbäume dies Frühjahr in Rheinsberg zu setzen und da alles in Ordnung zu setzen, auf daß, wenn ich einmal die Gnade habe, meinen allergnädigsten Vater da zu sehen, ich Ihm die Wirtschaft und alles in Ordnung zeigen wollte.“ (Weise 1925: 5) In seinen Briefen an Voltaire berichtet Friedrich II. dagegen von einer Legende, nach welcher einer der Begründer Roms – nämlich Remus – in Rheinsberg begraben sein soll. „Vor einigen Jahren hat man im Vatican ein Manuscript gefunden, worin die Geschichte des Romulus und Remus ganz anders, als auf die gewöhnliche Art, erzählt wird. Es versichert nehmlich, Remus sei den Verfolgungen seines Bruders entgangen, habe sich, um vor dessen wüthender Eifersucht in Sicherheit zu kommen, nach den nördlichen Provinzen von Deutschland in die Gegend der Elbe hin geflüchtet, hier an einem großen See eine Stadt angelegt, sie nach sich benannt, und sei dann nach seinem Tode auf einer Insel begraben worden, die sich aus dem Wasser erhebe und mitten in dem See eine Art von Berg bilde. […] Hoffentlich mein Herr, werden Sie mir für die Anekdote, die ich Ihnen hier erzählt habe, Dank wissen und mich ihretwegen entschuldigen, daß mich alles interessirt, was nur die Geschichte eines von den Erbauern Roms betrifft, da ich seine Asche zu besitzen glaube.“ (Friedrich II. 1789: 214f, Friedrich II. an Voltaire, 7. April 1737) Friedrich II. nutzt diese Geschichte, um im Austausch mit Voltaire nicht nur seine Geschichtskenntnis darzustellen sondern auch sich selbst in Bezug zu Rom und der römischen Herrschaftsabfolge zu setzten. Er sieht sich am vorläufigen Ende einer durch Remus gegründeten topographischen und stadtgeschichtlichen Entwicklungslinie, die parallel zur Entwicklung Roms zu verstehen ist. (Dorgerloh 2011: 21)

Den Rückgriff auf antike Vorbilder hatte Friedrich II. zuvor in Neuruppin geübt. Die Benennung des Neuruppiner Gartens als Amalthea-Garten (heute Tempelgarten) verweist auf jene Nymphe mit Namen Amalthea, die – so die griechische Mythologie – in eine Ziege verwandelt den Zeus großgezogen und ernährt haben soll. Amalthea eignet sich innerhalb ikonologischer Programme als Allegorie für Wohlstand und Überfluss, weil aus einem ihrer Hörner das spätere Füllhorn wurde. Im 18. Jhdt. war aber auch der Bezug zu historischen Gärten, welche der Amalthea geweiht waren, geläufig. (Roscher 1884-1890: Sp. 265) Es ist daher anzunehmen, dass Friedrich II. mit dem Namen seines Garten bewusst auf antike Vorbilder verweist. Er reiht sich so in eine Tradition von Gartenbesitzern ein.

Friedrichs II. Gärten und unter ihnen besonders der Schlosspark Sanssouci sind von Zeitgenossen wie nachfolgenden Generationen unterschiedlich beurteilt worden. Der Diplomat Karl Joseph Fürst de Ligne meinte etwa: „Es sind in seinem dürren Sanssouci nur zwei etwas wilde Parthien, die einige Annehmlichkeit haben; […] Seine großen sandigen Alleen in seinem sogenannten Garten und seine Hecken, welchen alle Anmuth gebricht, werden hoffentlich durch Windstöße, die in diesem armseligen Lande so häufig sind, nächstens umgeworfem werden.“ (Winter 2012: 210)
Auch der öffentlich ausgetragene Disput des Gartentheoretikers Christian Cay Lorenz Hirschfelds und Friedrichs II. Hofgärtner in Sanssouci Friedrich Zacharias Salzmanns ist aufschlussreich.

Salzmann war nicht nur Gärtner im Park Sanssouci, sondern zeichnete und publizierte 1772 auch einen Plan der Anlage (Salzmann 1772b) nebst Erläuterungen (Salzmann 1772a). Darin heißt es: „Man kann mit Wahrheit sagen, daß Sans-Souci dermahlen einen wundervollen Sammelplatz alles dessen, was theils das Alterthum uns schönes hinterlassen, theils die geschicktesten Meister der neuern Schulen vollkommenes zu liefern im Stande gewesen, darstellt.“ (Salzmann 1772a: S. 1 des Vorberichts) Hirschfeld war in Bezug auf diesen Plan 1774 an Salzmann herangetreten (Salzmann 1783: X), wohl um diesen in seinen – zwischen 1782 und 1789 in 7 Ausgaben erschienenen – Gartenkalender aufzunehmen. Dazu kam es jedoch nie, worüber Salzmann 1783 in einer anderen eigenen Publikation seinen Unmut äußerte. (Salzmann 1783: Xff) Die Antwort Hirschfelds folgte bei der Rezension im Gartenkalender. (Hirschfeld 1783: 23ff) Er schrieb darin: „Warum ich seinen Plan von Sans-Souci nirgends angeführt habe, könnte er wohl wissen, wenn er sich mehr mit dem Geist der Theorie der Gartenkunst bekannt gemacht hätte. Wie weit er aber an Geschmack und Kenntniß der Gartenkunst, die er noch mit der Gärtnerey verwechselt, zurück ist, hat er bis zum Überfluß durch den beygefügten Aufriß (soll doch wohl Grundriß heissen?) eines sogenannten Deutsch-Englischen Gartens bewiesen. Welch eine Erscheinung! Ich wette, daß ein Holländischer Gärtnerbursch vor funfzig Jahren keinen abgeschmacktern Plan hätte zeichnen können, […].“ (Hirschfeld 1783: 30) Aus dem zweiten Teil dieses Zitats geht deutlich hervor, dass sich der sehr polemisch geführte Disput der der beiden vor allem an neueren aus England stammenden landschaftsgärtnerischen Strömungen entbrannte. Hirschfeld sah bei Salzmann offenbar keinerlei Kompetenz im Umgang mit dem sogenannten Englischen Garten. Die aktuelle Literatur zu Friedrichs II. Gärten erkennt dagegen an, dass sie sich in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen traditionellen Repräsentationsformen und avantgardistischen Strömungen bewegen (Dorgerloh 2011: 7) und würdigt sie als frühe Erprobungen von weit ausgreifenden Anciennitätskonzepten, die in späteren Landschaftsgärten noch an Bedeutung gewinnen. (Dorgerloh 2011: 7; Schröder 2007: 34-39)

Ein Aspekt der Entwicklung und Verbreitung des Landschaftsgartens ist das parallel dazu neuerlich erwachende Interesse an der imaginierten Landschaft Arkadien. Die idyllische von Hirten und Nymphen bewohnte Landschaft Arkadien hat ihre Wurzeln in der Dichtung u. a. bei Theokrit, Vergil und Jacopo Sannazaro. Immer wieder wird sie in den verschiedenen Künsten und auch in der Gartenkunst rezipiert. Im 18. Jhdt. erlebt der Arkadiengedanke eine Blüte, die sich in der bildenden Kunst z. B. in den fêtes galantes des Jean-Antoine Watteau und bei Nicolas Lancret ausdrückte, von welchen Friedrich II. selbst einige Bilder besaß. „Es [Schloss Rheinsberg] ist mit allem Nötigen versehn. Zwei Zimmer sind voll von Gemälden […]. Die Mehrzahl meiner Bilder ist von Watteau oder Lancret, französischen Meistern der Brabanter Schule“ (Hein 1914: 154) Auch die Gartenkunst nimmt Teil an diesem wieder erstarkenden Interesse an arkadischen Motiven. Die freien Formen des Landschaftsgartens, die eher wandelnd erlebt, denn betrachtend überblickt werden können, scheinen sich besonders zur Darstellung eines arkadischen Naturideals zu eignen. Das Bild von Arkadien im eigenen Garten verstärkt sich noch mit der Errichtung verschiedener zum Teil scheinbar ruinöser antiker Staffagebauten im Verlauf der Entwicklung des Landschaftsgartens.

Friedrich II. las und besaß Gartenliteratur (Rohde 2012: 48) und war sich wohl der aktuellen Entwicklung in Richtung des Landschaftsgartens bewusst. Spielten Bezüge auf Arkadien und andere paradiesische Landschaften für seine Gartengestaltungen eine Rolle?

„Nun bin ich auf meinem Landsitz und genieße die ländlichen Freuden in vollen Zügen. Ich führe hier ein ebenso behagliches, aber geregeltes Leben, wie unsere Urväter im Paradies.“ (Sternaux 1936: 28)
Diese Worte an seine Schwester Wilhelmine von Bayreuth sind ein Beispiel unter ganz wenigen, bei denen Friedrich II. explizit imaginierte idyllische Orte als Vergleiche heranzieht, um seine eigenen Gärten in Neuruppin und Rheinsberg zu beschreiben. Wenn er es tut, dann deutet er auf den Garten Eden bzw. das Goldene Zeitalter (siehe Zitat oben) und das postmortale Paradies/Himmelreich: „[…] | Wird’s Abend, so verschmelzen ihre Klänge | Euterpe, Polyhymnia, die hehren, | Die süße Harmonien uns bescheren, | Noch tönen in den Ohren die Gesänge, | Das Echo weckend, von dem neuen Orpheus, | Da weiht uns schon die Ruh‘ dem Reich des Morpheus. | Und so, von tiefem Frieden rings umhegt, | Vollende hier ich meine Lebensbahn, | Erwarte stolzen Sinnes, unbewegt | Der Schere Schnitt, von Atropos getan… | Remusberg, 30. Oktober 1737“ (Volz 1914: 25ff) Auch auf arkadische Motive nimmt er Bezug: „Ich hoffe, […] im nächsten Monat zu meinen Schafen zurückzukehren.“ (Hein 1914: 117)

Mit Blick darauf, dass Friedrich II. mit der Errichtung des Apollo bzw. Wilhelmine von Bayreuth gewidmeten Monopteros in seinem Neuruppiner Garten einer der ersten in Deutschland war, die den Arkadien-Gedanken mittels Staffagebauten in ihren Gartenprogrammen umsetzten, (Dorgerloh 2011: 11) mag es zunächst überraschen, dass konkrete Erwähnungen dieser idealisierten Landschaften nichtsdestotrotz recht dünn gesät sind. Bei genauer Betrachtung sieht man jedoch, dass es eigentlich nur die Benennung als Paradies oder Arkadien ist, die fehlt. Die von Friedrich II. in seinen Briefen geschilderten Eigenschaften seiner Gärten in Neuruppin und Rheinsberg sind weitgehend wichtige Charakteristika paradiesischer Ideallandschaften und insbesondere Arkadiens oder sehr eng mit dem Arkadien-Gedanken verknüpft.

Grundsätzlich beschreibt Friedrich II. seine Gärten in Neuruppin und Rheinsberg als private Orte des Rückzugs von höfischen und familiären Zwängen. Über Rheinsberg schreibt er 1737: „Ich reise nach Rheinsberg zurück; das ist mein SansSouci; glücklich derjenige, der, frei von Ehrgeiz, seine Tage dort beschließen kann, wo man nur die Ruhe kennt, wo man die Blumen des Lebens pflückt und wo man die kurze Zeit, die wir auf dieser Erde verbringen, auskosten kann.“ (Hein 1914: 97) Sie sind stille Orte, die der individuellen musischen Entfaltung und philosophischen Bildung Raum geben: „Den Schatten suche ich des dichten Hains, | Den Rand des Bachs und schöpf‘ aus alten Werken, | Aus Griechen und aus Meistern des Lateins, | Mein Wissen zu vermehren, mich zu stärken. […] Da füllt Philosophie gar manche Stunde; | Bald fesselt Newton und die Sternenkunde, | Bald Dichtkunst, Malerei uns ganz, | Bald freun wir uns an der Geschichte Themen, | Bald sinnen wir ob den Problemen | Der Größe Roms und Griechenlands.“ (Volz 1914: 25f) Darin sind sie durchaus vergleichbar dem imaginierten Land Arkadien. Auch Arkadien gewinnt dort an Bedeutung, wo sich zuvor privilegierte Personen in ihren Freiheiten und ihrer Potenz eingeschränkt fühlen (Dorgerloh 2011: 10) und es ist bevölkert von Hirten, die die Musik pflegen, weil sie notwendig ist zu Ausdruck und Erhörung ihrer Liebe. (Wehle 2001: 54) Die Hirten selbst stehen darüber hinaus bildhaft für das rationale Prinzip, (Wehle 2001: 48) die geistige nach Vervollkommnung strebende, philosophische Entwicklung des Menschen.

Dem Garten Eden, dem Goldenen Zeitalter und Arkadien ist gemein, dass sie die in ihnen lebenden Menschen ernähren. Ihre unkultivierte Natur bringt hervor soviel die Menschen zum Leben brauchen, solange diese nicht nach mehr verlangen. (Wehle 2001: 49) Sie fördert und fordert die Genügsamkeit und Zufriedenheit der Menschen in gleichem Maß. Diesen Aspekt kann man durchaus in Friedrichs II. Nutzgärten zitiert sehen, insbesondere da sich Nutzpflanzen vielerorts in die Gartenlandschaft einfügten ohne an einen Küchengarten oder ähnlich spezialisierte Rahmen gebunden zu sein. Auch dass sich diese nährenden Anlagen nicht allein auf vegetabiles Leben beschränkten, sondern auch Geflügelzucht beinhalten, kann in diesen Zusammenhang gestellt werden. „Die gnädige art, wohrmit Mein allergnädigster Vahter die puhten, so ich geschiket, hat an nehmen wollen, behertzet mihr die Freiheit zu nehmen eine kalte Rindfleisch Pastete wie Er sie gerne ist zu schiken und mit nechst kommender gelegenheit werde pularden so nuhr noch nicht fet genung seindt schiken und hoffe ich in ein jahr meine Wirthschaft so in zu richten das Mein allergnädigster Vahter kein Fleischwerk wirdt gebrauchen von hamburg kommen zu lassen.“ (Friedrich II. 1838: 52)

Ein wichtiges Moment des Rückzugraums Garten ist für Friedrich II. die ihm innewohnende Stille, welche durchaus in Opposition zu Friedrich Wilhelm I. und mit diesem assoziierten Institutionen wie dem Militär und der Jagd zu verstehen ist. Anlässlich eines Besuchs Friedrich Wilhelms I. in Rheinsberg schreibt Friedrich II.: „Die Wälder, wo in tiefen Zügen | ich sonst geschlürft der Ruhe Hauch, | sie dienen – welch ein arger Brauch! – | bald zu Dianens Jagdvergnügen.“ (Hein 1914: 83) Auch Arkadien kennt diese Stille bzw. eine (innere) Ruhe, die die menschliche Seele in Arkadien finden kann. (Stephan 1971: 27f) Sie resultiert aus der imaginierten Abgeschiedenheit und weitläufigen Einsamkeit diese Ortes. Sie ist es auch, die diesen Ort empfiehlt, wenn sich der Geist aus dem Alltag entziehen muss, um bei sich zu sein und sich zu entwickeln.

Allerdings: „Selbst das schönste Landschaftsgemälde, wenn es nichts weiter als Abbildung der leblosen Natur ist, kann nur die Phantasie durch angenehme Bilder erheitern, nur das Herz zur Empfindung der ländlichen Wollust und Ruhe reizen“ schrieb der Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld „weit mehr verstärkt sich aber der Eindruck der Landschaft, wenn sie zugleich, wie in den Gemälden eines Poußin und Rubens, eine rührende oder edle Handlung der Menschen zur Scene dient.“ (Dorgerloh 2012: 13) Die Hirtenwelt Arkadien und auch die dieselbe zitierenden Gärten, scheinen ihre Belebung mit der „rührenden und edlen Handlung der Menschen“ zu erfahren, wenn sie Bühne werden für Tod und Eros. (Dorgerloh 2012: 13) Das einsame Grab in weitläufiger Landschaft oft in Verbindung mit der Inschrift „Et in Arcadia ego“ gehört spätestens seit den entsprechenden Gemälden von Giovanni Francesco Barbieri (Et in Arcadia Ego, 1618-22, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom) und Nicolas Poussin (Et in Arcadia Ego (première version), 1629/30, Chatsworth House, Derbyshire, England; Et in Arcadia Ego (deuxième version), 1637/38, Musée du Louvre, Paris) fest in den Kanon der Arkadienmotive. In Rheinsberg hatte Friedrich II. den Tod in Arkadien in Gestalt des vermeintlichen Grabhügels des Remus vorgefunden. Wie wichtig ihm dieser Ort in seinem Garten war, zeigt sich eindrucksvoll in seinen Briefen, besonders an Voltaire. Hier zelebriert Friedrich II. den Hügel trotz unsicherer Überlieferung als historisches Denkmal und etabliert ihn als Ankerpunkt seines Selbstverständnisses (siehe oben). Auch die, einige Jahre später von Friedrich II. gewünschte, Grablege im Garten von Rheinsberg passt in dieses Arkadienbild: „Falle ich, so ist mein Wille, daß mein Leib nach Römerart verbrannt und meine Urne in Rheinsberg beigesetzt werde. Knobelsdorff soll mir ein Grabdenkmal errichten, wie das des Horaz im Tuskulum.“ (Volz 1913: 274)

Nach Johann Moritz von Nassau war Friedrich II. mit diesem Wunsch und mit der späteren Grabanlage auf der Terrasse vor Schloss Sanssouci in Potsdam einer der ersten, die das Gartengrab für sich wiederentdeckten und es benutzten, um besonderen persönlichen Ansichten und Programmen Ausdruck zu verleihen. (Dorgerloh 2012: 161ff)
Bereits in der Renaissance, als man sich in Europa intensiv mit dem Arkadien-Gedanken beschäftigte, war es in Mode gekommen, Gärten zu gestalten, die die Sehnsuchtslandschaft Arkadien spiegelten. (Dorgerloh 2011: 10) Wenn Friedrich II. um diese Entwicklung wusste, wovon auszugehen ist, dann muss er auch gewusst haben, dass sich seine Gärten daran anknüpfen ließen. Selbst wenn er mit seinen Anlagen nicht vordergründig suchte ein Abbild Arkadiens herzustellen, kann es ihm nur recht gewesen sein, wenn der Betrachter Gedanken daran assoziierte. Das Arkadienbild kann nur unterstützen, was offenkundig gesucht wurde, nämlich die Einreihung in Traditionslinien sowohl der griechischen (Amalthea-Garten) als auch der römischen (Remusberg) Antike.

Ein Detail jedoch, dass sowohl den Garten Eden als auch Arkadien prägt, geht den frühen Gärten Friedrichs II. nach seinen Beschreibungen ab. Die erotische Liebe insbesondere, aber nicht ausschließlich zu Frauen und überhaupt die Frau als sexuelles Wesen spielen in ihnen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Es soll hier nicht über Friedrichs II. Sexualität und sein grundsätzliches Verhältnis zu Frauen diskutiert werden, (Hierzu: Ailings 2012) aber für ein Bild des Garten Eden ist es zentral, dass Adam Eva als seine Gefährtin braucht, um darin glücklich zu sein und auch der Hirte Arkadiens braucht seine Nymphe. Die jagende von Diana gesandte Nymphe ist es, zu welcher der Hirte in Liebe entbrennt und es ist sein Ringen um ihre Zuwendung, die auch sein Flötenspiel antreibt. Hirte und Nymphe sind ein Gleichnis für das Wechselspiel zweier Pole (dem rationalen und dem animalischen Prinzip), die einander brauchen um produktiv zu sein. (Wehle 2011: 48, 54f) In den Gärten des Kronprinzen Friedrich II. spielt dieses Gleichgewicht aber keine Rolle. Das Bild ändert sich sicher im späteren Park von Sanssouci in Potsdam, wo der Eros einigen Bildwerken wie dem Betenden Knaben (spätes 4. Jhdt. v. Chr., heute ein Nachguss um 1900) inhärent ist, (Buttlar; Köhler 2012: 58f) aber wenn der Kronprinz Friedrich II. seine Gärten in Briefen beschreibt, scheint es so, als seien sie grundsätzlich frei von allem, das einen animalisch-kreatürlichen Charakter tragen könnte.
An diesem Punkt also endet der Vergleich mit der Imagination Arkadien.

 

Literatur

Alings, Reinhard: »Don’t ask – don’t tell« – War Friedrich schwul? In: Sachse, Ullrich [Red.]: Friederisico – Friedrich der Grosse. Die Ausstellung. München 2012.

Buttlar, Adrian von; Köhler, Marcus: Tod, Glück und Ruhm in Sanssouci. Ostfildern 2012.

Dorgerloh, Annette: „…meine Puppen, mit denen ich spiele“. Friedrich II. und seine Gärten. In: Kaiser, Michael; Luh, Jürgen [Hrsg.]: Friedrich der Große: Politik und Kulturtransfer im europäischen Kontext. Beiträge des vierten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 24./25. September 2010. 2011. Online im Internet: URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-kulturtransfer/dorgerloh_gaerten [Stand: 02.01.2016].

Dorgerloh, Annette: Strategien des Überdauerns. Das Grab- und Erinnerungsmal im frühen deutschen Landschaftsgarten. Düsseldorf 2012.

Friedrich II.: Briefe an seinen Vater: Geschrieben in den Jahren 1732- 39. Berlin u. a. 1838.

Friedrich II.: Hinterlassene Werke Friedrichs II Königs von Preussen. Achter Band. Wien 1789.

Hein, Max [Hrsg.]: Briefe Friedrichs des Grossen. In deutscher Übersetzung. Erster Band. Berlin 1914.

Hirschfeld, Christian Cay Lorenz [Hrsg.]: Taschenbuch für Gartenfreunde auf das Jahr 1784. Dritter Jahrgang. Kiel 1783.

Rohde, Michael: Friedrich II. und die Gartenkunst in Sanssouci. In: Sachse, Ullrich [Red.]: Friederisiko. Friedrich der Grosse. Die Ausstellung. München 2012.

Roscher, Wilhelm Heinrich [Hrsg.]: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Erster Band. Leipzig 1884-1890.

Salzmann, Friedrich Zacharias: Erklärung eines in Kupfer gestochenen Haupt-Plans von Sans-Souci und neuen Palais, wie auch allen dazu gehörigen Gebäuden und Garten-Partien. Potsdam 1772a.

Salzmann, Friedrich Zacharias [Vermesser und Vorzeichner]; Schleuen, Johann Friedrich [Stecher]: Plan des Palais de Sanssouci […]. 1772b. Reproduziert in: Rohde, Michael: Friedrich II. und die Gartenkunst in Sanssouci. In: Sachse, Ullrich [Red.]: Friederisiko. Friedrich der Grosse. Die Ausstellung. München 2012.

Salzmann, Friedrich Zacharias: Kurzgefasste aber doch ausführliche holländische Frühtreiberey […]. Berlin 1783. S. X.

Schröder, Katrin: „Englische Parthien“ und fremdländische Gehölze- der „Natürliche Geschmack“ in der friderizianischen Gartenkunst in Preußen. In: Rohde, Michael [Red.]: Preußische Gärten in Europa. 300 Jahre Gartengeschichte. Leipzig 2007.

Schurig, Gerd: Die Blüte der Fruchtkultur im Sanssouci Friedrichs II.. In: Sachse, Ullrich [Red.]: Friederisiko. Friedrich der Grosse. Die Ausstellung. München 2012.

Stephan, Rüdiger: Goldenes Zeitalter und Arkadien. Studien zur französischen Lyrik des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts. Heidelberg 1971.

Sternaux, Ludwig: Mein kleines Sanssouci. Schloß Rheinsberg und seine Erinnerungen. Potsdam/Berlin 1936.

Volz, Gustav Berthold [Hrsg.]: Die Werke Friedrichs des Großen. Zehnter Band. Dichtungen. Zweiter Teil. Berlin 1914.

Wehle, Winfried: Menschwerdung in Arkadien. Die ‚Wiedergeburt‘ der Anthropologie aus dem Geist der Kunst. In: Wehle, Winfried [Hrsg.]: Über die Schwierigkeiten, (s)ich zu sagen. Horizonte literarischer Subjektkonstitution. Frankfurt am Main 2001.

Weise, Alfred: Rheinsberg und der junge Fritz. Jena 1925.

Winter, Sascha: Gartenkunst und Auftraggeberschaft. Zum Einfluss des Auftraggebers auf die ideellen, produktiven und rezeptionsästhetischen Prämissen von Garten- und Parkanlagen. In: Schweizer, Stefan; Winter, Sascha [Hrsg.]: Gartenkunst in Deutschland. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Geschichte – Themen – Perspektiven. Regensburg 2012.

Sommer in der Mark Brandenburg – Friedrichs II. gärtnerische Ambitionen
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3 Gedanken zu „Sommer in der Mark Brandenburg – Friedrichs II. gärtnerische Ambitionen

  • 9. April 2018 bei 8:05
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    Liebe Nina,
    ein sehr informativer Artikel, Ausschnitte einer Hausarbeit von dir? Mit Arkadien werde ich mich in meiner Masterarbeit auch ein wenig auseinandersetzen. Aber erstmal habe ich viele Termine und Arbeiten bis in die erste Maiwoche. Danach werde ich wieder regelmäßge Bibliotheksbesuche an der Uni einplanen.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

    Antwort
    • 9. April 2018 bei 12:35
      Permalink

      Liebe Susanne,
      ja, es ist die Frucht einer Hausarbeit, die mich immer noch (aber mit guten Gedanken und Gefühlen) sehr beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit der Landschaft Arkadien habe ich dabei eigentlich als ziemliche Herausforderung empfunden, aber meine Fragestellung mit der Fokusierung auf Friedrich II. war auch recht eingeschränkt. Die Betrachtung des Themenkomplexes Akadien lohnt dennoch allemal und ich wünsche dir viel Freude und zahlreiche Aha- und Oho-Momente dabei!
      Herzliche Grüße nach Berlin
      Nina

      Antwort
      • 11. April 2018 bei 17:23
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        Danke, liebe Nina,
        das werde ich bestimmt haben. Nächste Woche fängt das neue Semester an, ich muss mich bestimmt daran gewöhnen, wieder regelmäßig zur Uni zu fahren.
        Liebe Grüße von Susanne

        Antwort

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